Ein Haus, das sich selbst gerade stellt
Ausziehbar von 2,40 auf 4 Meter, selbstnivellierend, entworfen für Autonomie — der Prototyp, der allem seinen Namen gab.
Die Frage kam 2015: Was wäre, wenn man reisen und arbeiten könnte — gleichzeitig? Jahrelang blieb es beim Zeichnen, Denken, Messen und wieder Zeichnen. Bis 2020, mitten in der Coronazeit, in Zaandam eine leere Halle frei wurde. Innerhalb weniger Monate lagen endgültige Bauzeichnungen vor, und der erste Stahlrahmen wurde geschweißt.
Die Wohneinheit ist ausziehbar: auf dem Transport 2,40 Meter breit — schmal genug für gewöhnlichen Straßentransport — und am Standort auf 4 Meter ausgezogen, gut für 16 bis 32 Quadratmeter. Ein Fundament ist nicht nötig: Das Untergestell stellt sich selbst gerade, auf nahezu jedem Untergrund. Abstellen, ausziehen, wohnen. Und beim Abschied bleibt das Gelände zurück, wie es war.
Alles, was mir in zwanzig Jahren Bauen begegnet war, kam in diesem einen Objekt zusammen. Ein geschweißter Stahlrahmen mit Holzbau darauf. Isolierung aus Resolschaum. Eine Fassade aus Edelstahl — wartungsfrei, mit der Wärmeabgabe der Wärmepumpe in die Fassade selbst integriert. In der Decke Dimmer und Sensoren für Licht, Rauch, CO₂, Feuchtigkeit und Temperatur, dazu Motorsteuerung für die Verdunkelung der Dachfenster. Der Zählerschrank wurde abends auf dem Wohnzimmerteppich zusammengelötet.
Der rote Faden ist Autonomie. Eigener Strom aus Sonne, ein eigenes 24-Volt-Gleichstromnetz, eine Rezirkulationsdusche, um Wasser zu sparen, und Energiemanagement, das all das zusammenspielen lässt. 2021 bekam das Haus einen Namen: Homer. Der Name ist geblieben — das Energiemanagementsystem, das inzwischen in Betrieben läuft, heißt Homer EMS, nach diesem Haus.
Der Prototyp steht in der Werkstatt und ist noch im Bau; gebaut wird in den Stunden, die übrig bleiben, und unterwegs wurde auch noch ein Sohn geboren. Jedes fertige Teil ist zugleich ein Test: Vom Ausziehmechanismus bis zum Gleichstromnetz muss sich alles zuerst hier beweisen.
Ob je mehr als eines entsteht, weiß ich nicht. Worauf es ankommt, ist, was dieses eine Exemplar zeigt: dass Entwurf, Stahl, Holz, Installation und Software ein Ding sein können. Es ist das einzige Projekt ohne Fundament — aber mit Firmware.